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Patricia Riekel

Bunte Schlacht für mehr Fett

 

Christa Tamara Kaul | 22.02.2009

 

Nicht selten heißt es, Journalismus sei ein Geschäft für kaltschnäuzige, unsentimentale und listige Menschen mit Austeilerqualität - das liege in der Natur dieses Berufes. Nun, ja. Ein Pauschalurteil,  und als solches nicht immer zutreffend. Es gibt auch in diesem Haifischbecken mitfühlende Seelen. Aber immerhin erweist es sich oft als Vorteil, nicht über die Maßen klug zu sein. Der Mangel an Selbstzweifeln erleichtert das mediale Frontleben ungemein, während Reflexionsfähigkeit oder gar Skrupel es erheblich erschweren. Besonders den People's-Journalisten.

 

Patricia Riekel, Chefredakteurin von Deutschlands "führendem People-Magazin" Bunte kann davon mehr als ein Lied singen. Sie offenbart das tapfer Woche für Woche. Da erklärt sie uns nicht nur in ihrer Kolumne "Mein Bild der Woche" die finstere Seite der Welt, gern in Nachrufen, sondern ihre Bunte nimmt sich auch regelmäßig der Figur- und Modeprobleme der Promis an. Und steht, selbstredend, mit Rat hilfreich zur Seite.

 

Zu den Lieblingspromis zählt Letizia von Spanien (oben links: im Oktober 2008 - "Letizia mit spindeldünnen Ärmchen"). Und die gehört nicht allein deshalb zur Bunten-Standardstaffage, weil sie eine eingeheiratete Royal ist, sondern auch und besonders deshalb, weil sie ein schwerwiegendes Problem hat. Sie ist bzw. war zu klein und zu dünn. Meint jedenfalls Frau Riekels führendes People-Magazin.

 

"Da ist er wieder, dieser Blick aus leicht zusammengekniffenen Augen, dieses kleine, grausame Lächeln, „das den Weißen Hai in die Flucht schlagen würde“ (baz.online). „Die kann auch nicht laufen. Der werden wir es nie beibringen“, stellt .... bei einer Kandidatin fest, die prompt mit den Tränen kämpft. Bingo, das ist es doch, worauf die Zuschauer warten: eine herzlose Jury und heulende Mädchen."  Ach, pardon, das ist jetzt der falsche Text, das ist der Anfang des Editorials über Heidi Klum und kommt später.

 

Macht aber nix. Denn das Redaktionsteam erkannte auch den Missgriff  des spanischen Thronfolgers  sofort, als es ein Bild Letizias bei der Beerdigung ihrer Schwester sah. Womöglich ist es nicht die angemessendste Erkenntnis anlässlich des Ereignisses. Aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden, und so heißt es im Februar 2009 in der Bunten online:

"Kronprinz Felipe ist ganz zweifellos ein Hüne. Aber dennoch: Hier im Mai 2008 wirkt Letizia an seiner Seite doch allzu zierlich."

 

Na, also. Endlich isses raus. Wie konnten aber auch die zwei Königskinder - ein Hüne und eine allzu Zierliche -  bei ihrem Kennenlernen nicht darauf achten, dass sie Frau Riekels Maßstab nicht entsprechen! Denn die mag's doch lieber etwas fülliger und partnerschaftlich gleich kurzgestaucht, bitte schön.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So etwa wie bei sich selbst und ihrem Lebensbegleiter (Fotos oben). Was auch immer die zwei verbinden oder trennen mag, über zu dünne Ärmchen oder Beinchen brauchen sich beide jedenfalls nicht zu beklagen. Und auch nicht über hünenfafte Größe.

 

Aber - Ende gut, vielleicht alles gut. In diesem Februar entdeckte Deutschlands führendes People-Magazin endlich Licht am Ende des royalen Tunnels. Folglich fühlte sich Frau Riekel am 18. Februar 2009 in ihrem Editorial zwar von Heidi Klum bewegt, aber noch viel umfangreicher nahm sich ihre Bunte Letizias an. Denn, Gott sei Dank, das Problem ist zur Hälfte gelöst. Die spanische Kronprinzessin erhielt die  Note perfekt. "So, wie ein Kronprinzenpaar zu sein hat. Elegant, aufmerksam zueinander, majestätisch."  Na, also, geht doch.

 

Zwar ist Letizia (35) inzwischen noch immer nicht gewachsen, aber ihre "Ärmchen" sind nicht mehr so dünn. Juhu! Auch wenn es den normal Sterblichen nicht vergönnt ist, diese Erkenntnis anhand des Bildes, das die Bunte jubeln ließ (links) , zu teilen, denn Letizia trägt bei dem  Galaauftritt ein langärmeliges Oberteil,  so  schafft Frau Riekels Redaktion das aber mühelos. So wie sie es ja auch geschafft hat, bei einem anderen langärmeligen Auftritt Letízias das genaue Gegenteil festzustellen - siehe oben, das Beerdigungsbild.

 

Doch wie auch immer: Frau Riekels Bunte hat nicht nur Letizia mit einer hübschen Bildergalerie vor dem  geneigten Publikum rehabilitiert, sondern die Chefin (links 2008) selbst gibt uns allen in ihrem Editorial gleich noch einige Lebenshilfen mit in den Alltag. Denn sie weiß nun "plötzlich, was man an Dieter Bohlen hat. Wenn der bei seinen Kandidaten absolute Talentlosigkeit feststellt, gibt es hinterher immer noch ein Trostpflaster .... Unsere süße Heidi (aber kommt) als böse Fee. Vielleicht sollte sie sich bei Dieter Bohlen ein paar Tipps abholen, wie man bei einer solchen Castingshow, die natürlich von Wortwitz und Spott lebt, trotzdem charmant bleibt."

 

Die einzige Frage, die jetzt noch offen ist: Hat Deutschlands führende People's-Magazin-Chefin (siehe Fotos oben) nun schon von Bohlen gelernt, oder erwartet uns erst noch ihre Charmeoffensive? Aber eigentlich kann sie auf den Charme verbaler Trostpflaster vollkommen verzichten. Es reicht, wenn sie ein eigenes Abbild neben das der Ermahnten stellt - und schon sind die für alle Ewigkeiten getröstet. 

 

 

                                             

© Christa Tamara Kaul