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Blogger, Journalisten und das Anzeigengeschäft 

Auch eine Art der Konvergenz

 

Christa Tamara Kaul  |  26.03.2008

 

Es gab eine Zeit, so vor ein paar Jahren - oder schon fast Jahrzehnten - da galt,  jedenfalls offiziell und bei den so genannten Qualitätsmedien, die hehre Maxime, dass redaktionelle Arbeit und Anzeigengeschäft haarscharf zu trennen seien. Es war die Zeit, als die diversen elektronischen Medien, etwa Radio, Fernsehen, Video und dazu die sich gerade entwickelnden Technologien von Internet und mobiler Kommunikation noch jeweils ein Eigenleben führten, jedes für sich neben den anderen.

 

Doch es dauerte nicht lange, da erschallte der Ruf nach Konvergenz. Soll heißen, die verschiedenen Technologien sollten  zusammenwachsen, auch wenn sie nicht unbedingt zusammengehörten, um ganz neue Anwendungen zu schaffen und die Nutzer, die User, damit zu verwöhnen. Nun ja, und heute, ein paar Jahre - oder schon fast Jahrzehnte - später, nach diversen Konvergenzkongressen und Digital Lifestyle Days sind wir schon kurz vor den Pforten des ultimativen Digital Life Design-Paradieses, gehen ganz locker um mit  Web 2.0, Streaming, Blogs, Podcasts, Flickr, Second Life und Co., mit "mobile communication", "social medias" oder "user generated content".

 

Doch offenbar trug die herbeizitierte Konvergenz so viel Kraft und Dynamik in sich, dass sie das Erreichte nicht befriedigte und sie nach weiteren Kreativmöglichkeiten Ausschau hielt. Und siehe da, sie wurde fündig, fand weitere Tätigkeitsfelder.  Wenn schon Technologien zusammenwuchsen, warum dann nicht endgültig auch die Arbeitsbereiche zusammenführen, die die Seiten, seien sie elektronisch oder in Restbeständen noch gedruckt, füllen, also ein verschwistertes "contentmanagement" von Redaktion und Anzeigenabteilung?

 

Diese Zeichen der Zeit haben viele erkannt, ganz vorn mit dabei die Burda-Gruppe. Die holte nicht nur Christiane zu Salm, ehemalige Herrin des Telefonquizsenders 9Live und FON-Aufsichtsrätin, in den Vorstand, sondern bemüht sich auch tatkräftig um Blogosphäre und Blogger. Zugegeben, von den vielen Millionen Blogs weltweit kommt nur ein ganz geringer Prozentsatz aus Deutschland. Vielleicht weil die Deutschen einfach nicht so gut als Selbstdarsteller taugen. Vielleicht auch, weil die bisherige deutsche Medienlandschaft ein differenzierteres Angebot ermöglicht, als anderswo vorhanden ist. Und daher den Zusammenwuchs bislang eher vorsichtig anging. Wie auch immer, auch die Deutschen werden noch die kommerziellen Potenziale entdecken, die sich künftig in der Konvergenz von Redaktion und Werbung auftun, da war sich Frau zu Salm schon auf dem Medienforum NRW 2006 sicher. Und Burda ist es wohl längst auch.

 

Folglich sucht man dementsprechend qualifizierte Leute, die "Content" (Hauptsache Content, egal welcher) "umsetzen" können. Gern werden dabei Blogger genommen, vielleicht weil die daran gewohnt sind, mit wenig auszukommen. So heißt es etwa bei der Stellenausschreibung für eine/n Online Redakteur/in bei der Zeitschrift MFI "Meine Familie & ich" (wörtlich) unter anderem:

 

Ihre Aufgabe :

Verfassen von monatlichen Teaser für aktuelle Artikel der Print-Ausgaben
Verfassen von neuen Meldungen, Texten, Interviews, Events zu Genuss- und Gesundheits-Themen  .............................................
Redaktionelle Umsetzung von Online-Content im Rahmen von Cross-Media-Anzeigen-Kooperationen
Generieren von neuen Blogs

Na dann, es lebe die Konvergenz! Und der Digital Lifestyle! Aber immerhin, das sei der zitierten Stellenausschreibung zugute gehalten, ist es eine - bewusst oder aus Unbedarftheit - unverschlüsselte Aus- und Ansage. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen, aber verschleiert formulierten Stellenangeboten, im Gegensatz auch zu dem, was vielerorts längst praktiziert wird. Von Zeitschriften bis zu Fernsehsendern. Und offensichtlich ist es auch genau das, worauf wir uns in den Medien immer mehr einstellen müssen. Böse Zungen sprechen da von einem medialen Rotlichtbezirk. Na pfui!

 

                                            

© Christa Tamara Kaul