|
Vorsicht Datenschleuder
- sagt Stiftung Warentest
oder:
BILD dir eine Meinung - über Facebook
Christa Tamara Kaul | 14.03.2010 | 24.03.2010
aktualisiert
Vor zehn Tagen traute ich meinen Augen
kaum, als mir auf einer bild.de-Seite mein auf Facebook eingestelltes Konterfei
entgegenblickte. Das Bild war - grafisch tadellos - in
Korrespondenz zu einem Artikel auf einer bild.de-Seite
eingebaut. Darunter die Aufforderung: "Update Your status
about this event"
Das "Event" war Michael Schumachers erstes Autorennen nach
seiner Rückkehr in den Formel-I-Zirkus. Ich habe mich gefragt,
ob ich irgend etwas Wesentliches in Sachen Datenweitergabe verpennt
hätte und ob das Ganze ein unverschämtes Datengemansche oder sogar
ein Datenmissbrauch seitens Facebook sei.
Fachkundige signalisierten mir umgehend - ein
Lob dem digitalen Zeitalter -, dass dem kein Datenschutzproblem
zugrunde liege. Vielmehr sei innerhalb der bild.de-Seite ein Widget
geladen worden. Es sei längst Praxis, dass solche Einschübe in Facebook-"Partnerseiten"
hochgeladen wüden, solange jemand durchs Netz brause und
gleichzeitig bei Facebook eingeloggt bleibe. Der jeweilige Widget-Empfänger, in
meinem Fall also bild.de, bekomme von der jeweiligen Facebook-Identität
(angeblich) nichts mit,
d.h. Facebook gäbe keine persönlichen Daten weiter. Facebook biete einem eingeloggten Mitglied "lediglich" eine
Update-Möglichkeit auf den Partnerseiten.
So weit, so zweifelhaft.
Denn das heißt doch auch, wenn irgendwo in einer
solchen "Partner"-Internetseite ein Link zu Facebook installiert ist, der einen
vorbereiteten Inhalt von Facebook hereinziehen soll, dass dann beim
Laden dieser Installation von dem jeweils benutzten Browser
zweifelsohne eine Menge Daten übermittelt wird. Und das läßt sich nicht so gezielt
handhaben, wie man/frau es vielleicht möchte, denn genau das wird
durch die Hersteller der Browser und anderer Anwendungen, die diese
Funktionen in ihren Code einbauen, verhindert. Ändern ließe sich das
möglicherweise durch das explizite Löschen entsprechender Cookies.
Denn solange jemand bei Facebook eingeloggt ist, sorgen die dafür,
dass Facebook die Person wiedererkennt und den eingeblendeten Teil
aus ihrer Datenbank mit den jeweiligen Nutzerdaten aufbaut. Dass
dabei noch eine Menge Verbindungselemente aus der besuchten Webseite
mit eingesammelt werden, versteht sich fast von selbst.
Gut finde ich das alles nicht. Auch wenn mit dieser Methode
offenbar kein
"klassischer" Datenmissbrauch betrieben wird, so empfinde ich solche virtuellen
Verfolgungstrips dennoch als ausgesprochen lästig und wenig vertrauenserweckend.
Und dieses Misstrauen ist jetzt durch die
Stiftung Warentest erhärtet worden.
Mängel beim Datenschutz und
fiese Klauseln in den Geschäftsbedingungen, dass bescheinigt die
Stiftung Warentest nämlich in dieser Woche einigen sozialen
Netzwerken. Laut Experten der Stiftung schnitten die
großen US-Netzwerke Facebook, MySpace und LinkedIn am
schlechtesten ab. Sie schränkten die Rechte der Nutzer stark
ein, räumten sich selbst für die Weitergabe der Daten aber
weitgehende Rechte ein. Von einer geradezu unverschämten Art bei
der Gestaltung der Vertragsklauseln ist die Rede.
Das große Ungehaben
bei der Nutzung der sogenannten sozialen Netze besteht also durchaus zu Recht.
Es
lässt sich bestenfalls durch eine extrem eingeschränkte
Mitteilungsfreudigkeit, d.h. knappste Bekanntgabe eigener Daten
und persönlicher Angaben begrenzen.

|