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Hochglanz-Homestory
statt Reformvorschlägen
Varoufakis,
Tsipras und weitere griechische - äh - Politiker
Christa Tamara Kaul | 14.03.2015
Politiker mit Frau ist fast so gut wie
Star mit Kind oder Tier - da macht man nichts
verkehrt. Dachte anscheinend der aktuelle griechische Finanzminister
Giannis Varoufakis. Und ließ sich und seine Frau in einer
bestens ausgeleuchteten Hochglanz-Homestory von der
französischen Illustrierten "Paris Match" inszenieren -
Salat essend auf
seiner Sonnenterrasse mit Blick auf die Akropolis und im
strammen Hemdchen vor seinem Klavier. Und das kurz vor dem
wichtigen Treffen mit der Euro-Gruppe, wo er eigentlich einen
ausgearbeiteten Plan für Reformen seiner Regierung vorlegen
sollte.

Unmittelbar davor hatte Varoufakis noch schnell einmal gegen die
Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) im Schuldenstreit
gewettert. "Aus meiner Sicht verfolgt die EZB eine Politik
gegenüber unserer Regierung, die ihr die Luft zum Atmen nimmt",
erzählte er in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview
des Senders Mega TV. Sollten dergestalt vielleicht die anderen
Staaten der Eurozone, die EZB und der IWF so beeindruckt werden,
dass sie sich ganz schnell auf eine Übereinkunft nach
griechischem Muster einlassen würden?
Doch da hatte sich, wie etliche Medien
berichteten, der um seine Virilität und Viralität
gleichermaßen äußerst bemühte - äh -
Politiker wohl verrechnet. Denn weder kam der Hochglanzauftritt in
seiner Heimat noch sein EZB-Lamento bei den europäischen
Kollegen wirklich gut an. So sorgten sich in der
Zeitung "Proto Thema", eine der meistgelesenen Publikationen
Griechenlands, etliche Leser um den Ruf Griechenlands. Einer schrieb
beispielsweise:
"Absolute Peinlichkeit. Das Shooting fand kurz vor dem wichtigen
Treffen mit der Euro-Gruppe statt. Europa wartete auf eine Liste
mit griechischen Reformen - und Varoufakis sitzt am Klavier. Wie
lange will uns dieser Clown noch im Ausland blamieren?"
Allerdings ist "dieser Clown" nicht der einzige griechische - äh
- Politiker, der für massives Kopfschütteln sorgt. Sein Chef,
Alexis Tsipras, hält sich verbal zwar momentan auffällig zurück,
doch dafür dürfen nun der Verteidigungs- und auch der
Außenminister von der Sprücherampe feuern, was das Zeug hält.
So kam - unter anderen - etwa Verteidigungsminister Panos
Kammenos auf die ihm offenbar brillant erscheinende Idee, von
Deutschland Entschädigungen für Verbrechen während der deutschen
Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg zu fordern. Dabei
müsste er als - äh - verantwortlicher Politiker eigentlich
wissen, dass Deutschland erstens bereits Anfang der 1960er Jahre
Griechenland über ein so genanntes Globalentschädigungsabkommen
115 Millionen Mark gezahlt hat und zweitens eine Entschädigung
weiterer Opfer ausschließlich Zivilpersonen zugute kommen würde
und keine Lösung für die heutige Schuldenkrise sein
könnte. Oder möchte die Regierung Tsipras die eventuell über das
Konstrukt einer Stiftung möglichen Entschädigungen sich etwa
unter den Nagel reißen, statt sie ausschließlich den ehemaligen
Opfern zugute kommen zu lassen?
Und insofern ist die klamaukartige Verknüpfung von Vergangenheit und
Gegenwart durch das Athener Links-Rechts-Kabinett ebenso absurd
wie unredlich. Dafür aber geradezu symptomatisch für die Tsipras-Regierung,
für die bei ihrer
panischen Suche nach sprudelnden Geldquellen mittlerweile selbst die
eigenen Sozialkassen nicht mehr tabu zu sein scheinen. Eine
solche Entschädigung würde um so mehr plakatieren, dass die heutige Finanzmisere
Griechenlands hausgemacht ist - und zwar im jahrzehntelangen
Versagen und Korruptionssumpf diverser Regierungen. Um das mit
Hilfe der anderen Euro-Staaten, die ja grundsätzlich zu einer
Hilfe bereit sind, zu ändern, müsste endlich mal nachgedacht
statt polemisiert werden. Es müsste überhaupt mal gedacht werden
in griechischen Links-Rechts-Regierungkreisen. Aber das ist
altmodisch und strengt außerdem an, stattdessen inszenieren sie
lieber ihre Politshow - mit Homestories und lustigen Drohungen.
Ob dieser Athener Verein solide Reformen jemals schaffen wird?
Man weiß es nicht. Gut sieht jedenfalls anders aus als alles,
was Varoufakis, Tsipras und weitere griechische - äh - Politiker
bislang geliefert haben:

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