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Passt der Islam zu Deutschland?

 

So wie bei Hart-aber-fair am 24.11.2014 jedenfalls nicht!

 

Christa Tamara Kaul  |  26.11.2014 | aktualisiert 30.11.2014

 

 


Es war bezeichnend, dass Aiman Mazyek und Özlem Nas, die beiden muslimischen Teilnehmer der Hart-aber-fair-Sendung vom 24. November, sich gleich zu Beginn genervt fühlten. Denn ihnen missfiel allein schon das Thema "Deutschland und der Islam - wie passt das zusammen?". Warum eigentlich?

 

Es stimmt ja, was die beiden direkt zu Beginn wiederholt betonten, und es ist unwidersprochen: Nicht alle Muslime sind gewalttätig und Terroristen. Leider aber sind  derzeit (nahezu) alle Terroristen Muslime. Weltweit. Und es ist absurd zu behaupten, dass das nichts mit dem Koran zu tun habe. Bedauerlich und tatsächlich nervtötend war denn gerade deshalb der Versuch der beiden muslimischen Gäste - wohl aus einer Defensivattitüde heraus, die anderen Gesprächsteilnehmer besonders am Anfang der Sendung totzuquatschen statt auf das Thema einzugehen..

Und auf das Thema eingehen, heißt zunächst einmal zuzugestehen, dass es schon einen deutlichen Unterschied zwischen den  jeweils "heiligen Büchern" von Christen und Muslimen gibt.


Wenn im Namen des Christentums und seiner Kirche(n) Gewalt ausgeübt wurde oder womöglich noch wird, dann stand und steht das immer eindeutig im Gegensatz zu der im Neuen Testament niedergeschriebenen Lehre Jesu. Ein Rückbezug auf Jesus war und ist immer eine Abwendung von gewaltvollen Exzessen einzelner Menschen, Gruppen oder Konfessionen. Es gibt keine Stelle im Neuen  Testament, mit der sich auch nur ansatzweise Gewalt oder gar Terror rechtfertigen ließen. Im Gegenteil!  Gefordert wird beispielsweise die Feindesliebe (Matthäus  5,44:  Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen ...) oder die Nachsicht bei Verfehlungen (Johannes 8,1-11: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein). Soweit das Christentum.

 

Und der Islam? Da heißt es im Koran in Sure 9,4 (Al Tauba) u.a.: "... tötet die Ungläubigen (Götzendiener), wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf."  Und in Sure 5 (Al Ma-ida) steht u.a. die Anweisung: "... Nehmt nicht die Juden und Christen zu Freunden (Beschützern).

 

Auch für die Behandlung von Frauen gibt es deutliche Anweisungen, etwa in Sure 4,33-34 (An Nisa'): "Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen wegen dessen, womit Allah die einen von ihnen vor den anderen ausgezeichnet hat. ...  Und diejenigen (Frauen), deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, – ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie." Sure 2,223 hingegen regelt sexuelle Verfügbarkeit von Frauen gegenüber ihrem Mann: "Eure Frauen sind euch ein Acker; so bestellt euren Acker, wann und wie ihr wollt."

 

Dass sich solche Textstellen - und es gibt noch mehr davon -  hervorragend sowohl für die Unterdrückung von Frauen als auch und besonders für Gewalt gegen Andersdenkende und Andersgläubige benutzen lassen, liegt auf der Hand. Um diese Stellen zivilisatorisch zu entschärfen, bedurfte es zu allen Zeiten des Islams aufwändiger Interpretationen und Kommentare. Und die gibt es auch tatsächlich reichlich - wahrscheinlich mehr als in jeder anderen Religion. Nur so ist es möglich, dass eben die Mehrzahl der Muslime durchaus friedliche und hilfsbereite Zeitgenossen sind. Frau Nas bestätigte die Interpretationsbedürftigkeit des Korans indirekt, indem sie auf die Aufforderung, die von ihr behauptete Gleichberechtigung der Frau im Islam darzulegen, entgegnete, dass sie dafür etwa zwei Stunden Zeit brauche.

 

Doch die Existenz und die darauf beruhenden Folgen der problematischen Koranstellen zu leugnen oder nonchalant zu übergehen, die wortwörtlich ernst genommen, die Gräueltaten von IS, Al Quaida oder Boko Haram bis heute legitimieren sollen, schadet mit Sicherheit dem Ansehen "des Islams" in unserer Gesellschaft. Wobei ein weiteres Problem darin besteht, dass, auf negative Ereignisse in der muslimischen Welt angesprochen, immer wieder die Entgegnung kommt, dass bitteschön gefälligst differenziert werden solle, weil es aufgrund sehr großer Unterschiede bei der Interpretation des Korans "den Islam" gar nicht gebe. Umgekehrt wird aber unisono bei der Verteidigung dieser Religion dann eben doch davon gesprochen, dass "der Islam" eine friedliche Religion sei. Ja, was denn nun?

 

Der Papst  hat es bei seiner Türkei-Reise Ende November 2014 recht gut auf den Punkt gebracht, als er nach eigenen Worten gegenüber Erdogan sagte, dass es "wunderbar wäre, wenn alle muslimischen Führer in der Welt - politische, religiöse und akademische - mit deutlichen Worten" die Gewalt "verurteilen" würden, die dem Ansehen des Islam schade. Eine solche Botschaft würde dem Ansehen der "Mehrheit der Muslime helfen", sagte der Papst vor Journalisten. "Wir alle bedürfen einer globalen Verurteilung" der missbräuchlich im Namen des Islam verübten Gräueltaten. Genau so ist es.

 

"Für mich hat nur ein „Islam Light“ in Europa eine Zukunft: Islam ohne Scharia, ohne Dschihad, ohne Geschlechter-Apartheid, ohne Missionierung und ohne Anspruchsmentalität." So formulierte es der in Deutschland lebende Politikwissenschaftler und Historiker Hamed Abdel-Samad. Muslime wie Aiman Mazyek und Özlem Nas täten sich und ihrer Religion einen großen Gefallen, wenn sie zu ähnlichen Einsichten und auch Äußerungen kämen. Denn nur so, wie von Hamed Abdel-Samad skizziert, passt der Islam zu Deutschland.
 

 

Links zur Sendung

http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/sendungen/deutschlandundderislam102.html

videos/videodeutschlandundderislamwiepasstdaszusammen102.html

   

 

                                             

© Christa Tamara Kaul