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Causa Käßmann  -  oder:

 

Die Folgen schlechter Kommunikation

 

Christa Tamara Kaul | 06.01.2010

 

Die "causa Käßmann" nimmt in einigen Zirkeln und Medien merkwürdige, wenn nicht gar groteske Formen an. Da zupft beispielsweise Alice Schwarzer in "Emma" auf der Genderharfe, um der kritisierten Bischöfin vermeintliche Schützenhilfe zu leisten. Dazu wird - nicht nur in "Emma", sondern beispielsweise auch in der "Süddeutschen" -  in die Rechts-Links-Pazifismus-Klischee-Kiste gegriffen, dass auch die letzten klaren Gedanken Gefahr laufen, den Bach runterzugehen.


Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende
Margot Käßmann (links im Bild) hat

sich jüngst mehrfach zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr geäußert.

Zu Weihnachten meinte sie in einem Zeitungsinterview, dass nach den Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen" sei. Und in ihrer Neujahrspredigt legte sie nach: "Nichts ist gut in Afghanistan."  Dafür bezog sie aus nahezu allen politischen Lagern verbale Prügel.

 

Nun ist sie "schockiert", dass und wie ihre Aussage missverstanden worden sei, und fühlt sich zu Unrecht kritisiert.

 

Von Kirchenfrauen und -männern darf erwartet werden, dass sie in ihren Aussagen klare, möglichst unmissverständliche Worte finden. Schließlich werden sie nicht zuletzt diesbezüglich  ausgebildet. Predigten sind eine Hochleistungsform der Kommunikation. Wenn also - wie in diesem Fall - fast aus allen politischen Lagern Kritik an der Afghanistanaussage kommt, dann sollte es die Bischöfin zum Nachdenken anregen. Im Fall der Fehlinterpretation liegt die Ursache mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei der Predigerin. Und das sollten auch alle, die der Bischöfin zur Hilfe eilen wollen, bedenken.

 

Es ist schon abenteuerlich wenn von einigen selbst ernannten Käßmann-Adjutantinnen und Adjutanten argumentiert wird, dass niemand Bischof Mixa rüge, obwohl der seit Jahren aus seiner Skepsis gegenüber der Afghanistan-Expedition keinen Hehl mache, dagegen aber Politiker aus Union und SPD über Margot Käßmann herfallen, als hätte sie gerade die Auflösung von Bundeswehr und Nato bis Ostern gefordert.

Es geht nicht darum, beispielweise
Walter Mixa, seines Zeichens aktueller Militärbischof für  Deutschland, in toto schön zu reden, im Gegenteil: er hat hinsichtlich anderer Themen durchaus  kritikwürdige Aussagen gemacht. In Punkto Afghanistan aber hat er seine Kritik immer sehr bedacht und klug geäußert. Auch jetzt wieder, als er die Bischöfin in Schutz nahm .


Und genau das - bedacht und klug - war Käßmanns Predigt im Punkt Afghanistan nicht. Wenn sich Käßmann jetzt so gründlich missverstanden fühlt, dann weist das vor allem auf ihre kommunikativen Defizite hin. Das aber hat - mit Verlaub - nix, aber auch garnix mit "Hilfe, da wird eine Frau fertiggemacht" zu tun.

Noch weniger hat es damit zu tun, dass "der eine ein Konservativer ist und durch
seine Kritik Nachdenklichkeit zeigt - und die andere eine Linke, die man bei der Straftat des Linksseins ertappt" habe, wie auch schon wirr daher geredet wurde. Diese Verteidigungsstrategie zeigt lediglich, dass, wenn keine sachlichen Argumente zur Verfügung stehen, zur Not eben alle greifbaren Klischees reanimiert werden.

 

Weder der Bundestag noch die Vereinten Nationen oder die Nato haben ihre Beschlüsse leichtfertig gefasst, sie haben nach bestem Wissen auf der Basis verantwortungsethischer Prämissen entschieden. Käßmanns kritisierte Aussagen zum Afghanistaneinsatz dagegen beruhen entweder auf mehr oder minder unausgegarten Positionen oder aber schlicht auf missverständlicher Formulierung, also auf einer defizitärer Kommunikation. Mit Gender oder mit ihrer generellen politischen Position hat die Kritik nichts zu tun.

 


                                             

© Christa Tamara Kaul