Das und jenes

 -  und was sonst

noch zum

alltäglichen Wahnsinn

gesagt werden muss

 

 

Cave: BLOGspott

ist kein Blog!

 

Im Gegenteil:

Kommentare nur

per E-Mail

 

 

Startseite

 

Impressum

 

 

 

 

     

"Missbrauch" von Kindern

 

Gibt es etwa einen rechtmäßigen "Gebrauch"?

 

Christa Tamara Kaul  |  26.02.2010

 

Aufgrund der Vorkommnisse in einigen Einrichtungen der Kirche ist derzeit viel vom sexuellen Missbrauch von Kindern die Rede. Ähnlich war es in jüngster Vergangenheit auch bei einigen spektakulären Inzest- und Entführungsfällen. So schlimm Straftaten dieser Art immer und überall sind und so notwendig die öffentliche Aufmerksamkeit dafür ist  -  ein Aspekt wird dabei generell leider übersehen. Zwar wird die Formulierung "Missbrauch" im  Strafgesetzbuch  (STGB) offiziell verwendet und damit juristisch  abgesegnet, dennoch ist sie mehr als fatal. Denn das Wort Missbrauch impliziert logischerweise immer, dass es auch einen rechtmäßigen Gebrauch gebe, in diesem Fall eben einen rechtmäßigen Gebrauch von Kindern durch Erwachsene.

 

Tatsächlich sahen das bis vor ein paar Jahren auch einige Menschen noch so. So beantragte die  Bundestagsfraktion der Grünen im Februar 1985, die Strafrechtsparagrafen 175 und 182 ersatzlos zu streichen. Und warum? Weil diese "einvernehmliche sexuelle Kontakte" mit Minderjährigen unter Strafe stellten und dadurch "die freie Entfaltung der Persönlichkeit" behinderten. "Mädchen werden als willenlose Objekte männlicher Verführungskunst dargestellt", heißt es in dem Gesetzentwurf, "in der Norm drücken sich mithin bürgerliche Moralvorstellungen aus."

 

Im selben Jahr forderten die Grünen in Nordrhein-Westfalen auf ihrem Programmparteitag in Lüdenscheid, dass "gewaltfreie Sexualität" zwischen Kindern und Erwachsenen generell nicht länger Gegenstand strafrechtlicher Verfolgung sein dürfe: Sie sei "im Gegenteil von allen Restriktionen zu befreien, die ihr in dieser Gesellschaft auferlegt sind".

 

Doch das ist ein fundamentaler Irrglaube! Das haben inzwischen auch die Grünen erkannt. Denn es handelt sich dabei immer um eine asymmetrische Beziehung, auch wenn sexuelle Handlungen anscheinend nicht brutal verlaufen. Es sind immer Übergriffe, die nie freiwillig, sondern immer aufgrund des ungleichmäßigen Machtverhältnisses zustande kommen. Selbst wenn Kinder so tun (müssen) , als seien sie einverstanden oder merkten überhaupt nichts: Übergriffe dieser Art bewirken unweigerlich ein Trauma.
 

Es ist daher wichtig, hier auf eine Änderung der Formulierung sowohl im STGB als auch im alltäglichen Gebrauch, vor allem in den Medien, hinzuwirken. Richtig sind in diesen Fällen Begriffe wie sexuelle Misshandlung, sexueller Übergriff oder sexualisierte Gewalt.

 

Im Grundgesetz wie in der UN-Menschenrechtscharta ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Autonomie verankert. Das muss in vollem Umfang auch für Kinder gelten.

 

 

                                             

© Christa Tamara Kaul