|
Ordnung ist das halbe Leben
Und was ist mit der andern Hälfte?
Christa Tamara Kaul | 13.09.2015
Lerne Ordnung, liebe sie, Ordnung spart dir Zeit und Müh! So
erklären Mütter, warum Ordnung so wichtig sei, und diesbezügliche Ratgeberliteratur von Autoren mit dem Wunsch nach schnellem Geld
verkauft sich gut. Eines der Werke, die - gebührenpflichtig - endlich Schluss machen
wollen mit dem vermüllten Leben anderer, stammt von Marie
Kondo. Es entwickelte sich zum wahren Twitter-Hit.
 Im
Original heißt das Werk "The Life-Changing Magic of Tidying". Auf
Denglisch-Deutsch wurde daraus: "Magic Cleaning; Wie richtiges
Aufräumen Ihr Leben verändert". Als Taschenbuch erschienen ist
es zwar bereits 2013. Aber offenbar haben es viele noch
nicht gelesen Anders ist die allgegenwärtig herrschende Unordnung nicht zu erklären.
Ein Grund, bei mir selbst anzufangen. Immer getreu den
Ratschlägen folgend:
Die meistgenannten Sprüche gegen das Ausmisten lauten bekanntlich:
Das können wir bestimmt noch mal
gebrauchen.
Das ist zum Wegschmeißen zu schade.
Die Kinder werden sich irgendwann darüber
freuen
Immerhin, so sollen es Umfragen ergeben haben, sind zwei
Drittel der Befragten der festen Überzeugung, dass es sich mit
weniger (Ballast) besser lebt. Sie sehen umfangreichen Besitz als
Belastung an. Eines lässt dabei ins Grübeln kommen. Denn wenn es
stimmt, dass Ordnung als umso erstrebenswerter erachtet wird, je
turbulenter das eigene Leben ist, dann --- ja dann müssen die
meisten wohl ein sehr beschauliches, um nicht zu sagen: langweiliges
Leben führen. Wenn man das aus der verbreiteten Unordnung schließen
darf.
Wie auch immer, es geht hier nicht um eine Anleitung zum bloßen
Wohnungsaufräumen, sondern eher um die Hinterfragung der jeweils
eigenen Lebenseinstellung. Es geht im weitesten Sinn um das
Loslassen-können. Und die Unfähigkeit dazu kann zu echtem Leidensdruck
führen. Wenn die Dinge und ihre Verwaltung bzw. Pflege Energien blockieren,
dann zieht das automatisch Unzufriedenheit nach sich. Nämlich den
Ärger, so viel Zeit mit dem Putzen und Aufräumen von Sachen zu verbringen , die
kaum oder gar nicht genutzt werden, nur weil sie einfach da sind,,
weil sie ein Geschenk waren oder weil sie mal viel gekostet
haben,. Schwieriger wird es schon, sie wegzuwerfen, wenn sie einfach schön aussehen oder
Erinnerungen an ihnen hängen.
Ratschläge sind dazu da, angenommen oder verworfen zu werden - oder
eben beides. Soll heißen, sie individuell anzupassen und umzusetzen.
Und so wird eine meiner nächsten Taten sein, neben vielem anderen
auch dieses Buch zu entsorgen. Packen wir es an!

|