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Die Finsternis aggressiver Ahnungslosigkeit

 

Defizitäres Medienrauschen um Papst und Pius-Bruderschaft

 

Christa Tamara Kaul | 13.02.2009

 

Eins ist ihm nicht zu nehmen: Der Papst ist ein Quotenbringer. Mag der Benedetto-Jubel scheinbar oder tatsächlich verflogen sein - die veröffentlichte Meinung berauscht sich geradezu mal wieder an Papst und Vatikan. Und wie bei einem Rausch üblich, sind so manche benebelt. Was da in den letzten drei Wochen selbst von so genannten Qualitätsmedien und mehr oder minder Prominenten an kruden Vorstellungen, bösartigen Unterstellungen und krawalligen Ausfällen zu vernehmen war, lässt nur einen Schluss zu: Sachkenntnis und Recherche dümpeln überwiegend im Nanobereich.

 

Hübsch zusammengefasst und prägnant analysiert  hat die Neue Zürcher Zeitung am 13. Februar 2009 die journalistischen Defizite und medialen Grauzonen. Sie kommt zu dem Schluss:

 

"Längst ist die Kirche, insbesondere wohl die katholische, das ganz Andere, das weitgehend Fremde geworden, ohne den bei anderen Gelegenheiten gern gewährten Exotenbonus zu geniessen. Was man von ihr zu verstehen glaubt, ist das, was sich ins Politische und Alltagsmoralische übersetzen und dabei als «fortschrittlich» oder «reaktionär» klassifizieren lässt. Anderes will man nicht wissen.

 

Hinzu kommt der besondere Reaktionszwang, den sich vor allem deutsche Medien auferlegen, wenn in irgendeiner Weise der Holocaust berührt wird. Hier hat sich der habituelle Verdacht der Staatsschutzbehörden als dominierendes Wahrnehmungsmuster des journalistischen Subjekts etabliert. Dass dabei das Unterscheidungsvermögen verloren geht, so dass die «Entlassung» des Novartis-Chefs als Kommentator bei Radio Vatikan anklagend verrechnet werden kann mit der angeblichen Nachsicht mit Holocaust-Leugnern, scheint niemanden zu stören. Der Talkshow-Rummel und die in nahezu jedem Medium zum Thema veranstalteten Umfragen unter Lesern und Hörern spülen geballte Ignoranz erneut in die Zeitungen und Sender zurück, so dass am Ende nur komplettes Unverständnis und dumpfe Verschwörungstheorien bleiben. Wo Aufklärung sein will, herrscht im besten Fall intellektuelle Indolenz, nicht selten aber auch die Finsternis aggressiver Ahnungslosigkeit."

 

Dem ist wenig hinzufügen. Vielleicht noch die Bemerkung, dass jemand, wenn er das über einen Juden gesagt hätte, was ein Michel Friedman über den Papst zu sagen müssen glaubte, längst eine Anklage wegen Volksverhetzung und Antisemitismus am Hals hätte. Insofern ist's mit den christlichen Kirchen schon bequemer. Wer gegen sie hetzt, wird weder wegen Anti-Irgendwas vor Gericht gebracht, noch hat er irgendwelche Fatwas oder Bombenanschläge zu befürchten. Da lassen sich doch mal locker ein paar Latrinenparolen unters Volk schmettern.

 

                                             

© Christa Tamara Kaul