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Nicht hart, aber nervtötend

 

Herr Plasberg und der ARD-Jahresrückblick "2008 - Das Quiz"

 

Christa Tamara Kaul  | 28.12.2008

 

Günter Jauch kennt sich da aus, immerhin ist er bereits mehrmals zum beliebtesten Moderator Deutschlands gewählt worden. Deshalb konnte er auch Frank Plasbergs Frage beantworten, weshalb er, Plasberg, noch nicht einmal als Kandidat zur Wahl des beliebtesten Moderators aufgestellt worden sei: "Sie sollten öfter scheitern, Herr Plasberg  -  aber Sie sind ja auf einem guten Wege."  Tja, da könnte er Recht behalten.

 

Plasbergs Sendung "Hart, aber fair" wurde sein Markenzeichen und hat ihn vom Dritten Programm (WDR) ins Erste (ARD) befördert, ja, man kann schon sagen, katapultiert. Seine Art zu fragen, die Gäste seiner Politgesprächsrunde mit teilweise unangenehmen Fakten zu konfrontieren und das Ganze auch noch publikumsnah zu inszenieren, hat ihm den Ruf eines ebenso unterhaltsamen wie investigativen Journalisten verschafft.

 

Aufgrund dieser Erfolgsgeschichte glaubten diverse Fernsehmacher, schlummernde Potenziale zu erkennen, die zur Aufmöblung des ARD-Programms taugen könnten. Und da derzeit das Fernsehformat Quiz  Hochkonjunktur hat - Pilawa sei Dank! -  wurde im Norddeutschen Rundfunk flugs an einer Show für Plasberg gebastelt. Heraus kam der ARD-Jahresrückblick "2008 - Das Quiz", bei der der Hart-aber-fair-Matador  am Samstagabend (27.12.2008)  vier prominenten Kandidaten - in alphabetischer Reihe: Günter Jauch, Oliver Pocher, Jutta Speidel, Christian Wulff  -  Fragen stellen durfte zu den "wichtigsten und emotionalsten Ereignissen" des gerade ablaufenden Jahres. Als da unter anderem präsentiert wurden: ein Schwein, das unter einer Dreckphobie leidet und daher Gummistiefel tragen muss; ein Florian Silbereisen, der 36 Frauen in einer Minute küssen kann; eine Sarah Connor, die von einem Löwenbaby bepinkelt wurde. Zum krönenden Höhepunkt wurden die Kandidaten in Ostfriesennerze gewandet und in transparente Duschkabinen gesperrt, wobei sie schätzen mussten, wie viel Liter Regen pro Quadratmeter beim stärksten Unwetter des Jahres an einem bestimmten Ort gefallen waren. Bei falschen Antworten ergoss sich ein Duschschauer über die Ratenden, also über alle. Ein Riesenspaß -  ungefähr so, wie bei den legendären "Spiele ohne Grenzen" der 1970er Jahren, wo es zur Gaudi des Publikums auch nie ohne durchnässte Spielteilnehmer abging.  

 

Nun ja, diese  -  sagen wir mal  -  begrenzt unterhaltsame Programmgestaltung stellte die  Zuschauer schon auf eine gewisse Probe des Dranbleibens. Doch den endgültigen Kick zum Abschalten lieferte der Hart-aber-fair-Matador höchst persönlich. Und zwar mit seiner unbedingt originell und witzig sein wollenden Moderation, die aber über weite Strecken leider nicht mehr als verkrampft lustig, also nickelig und bisweilen sogar regelrecht peinlich war. Schon der erste Wortabschlag mit Günter Jauch ließ ahnen, wie der Stil des Abends sich entfalten würde, nämlich in dem standhaften Bemühen des Herrn Quizmasters, auf jeden Fall die intellektuelle Oberhoheit über das abendliche Geschehen zu demonstrieren:  Als Günter Jauch anlässlich einer Quiz-Fragestellung reklamierte, dass Dirk Nowitzki gar kein Olympionike sei, weil Olympionike Olympiasieger heiße  -  von Nike gleich griechisch Sieg  -  und deshalb über einen "schweren redaktionellen Fehler der ARD“ spöttelte, fiel Plasberg nichts anderes ein, als ihn für den "Klugscheißer-Pokal des Abends"  vorzuschlagen.

 

Und mit ähnlichen Beißreflexen gegenüber seinen männlichen Quizkandidaten  -  ausdrücklich immer wieder ausgenommen Jutta Speidel - ging's dann weiter:  letztlich nichts anderes als ein Hahnenkampf mit persönlichen Sticheleien und pampigen Anspielungen, etwa mehrmals auf die geringe Körpergröße  von Oliver Pocher. Was in einer Polit-Gesprächsrunde wie "Hart, aber fair" noch als "investigativer" Stil durchgehen mag, wirkt in einer als Unterhaltungsendung angelegten Veranstaltung, die dazu noch konzeptionell schwächelt, lediglich nervtötend. 

 

Wie sagte doch Günter Jauch: "Sie sollten öfter scheitern, Herr Plasberg  -  aber Sie sind ja auf einem guten Wege."  Da könnte er Recht behalten. Jedenfalls bei diesem Format.

 

 

                                             

© Christa Tamara Kaul