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Wohnen mit Klischee
Das Reihenhaus – Herzenswunsch und Spottobjekt
Christa Tamara Kaul | 09.01.2009
Es geht nicht zuletzt um den Ruf. „In deutschen Reihenhäusern“ heißt
eine Ausstellung in Köln, die vor allem eines will: zeigen, welche
Vielfalt hinter den vier Wänden dieser Bauten wohnt – allen Klischees
zum Trotz.
Reihenhäuser stehen auf den Skalen der Statussymbole sowohl ganz oben
als auch ziemlich weit unten. Je nach Ausgangslage. Ihre Bewohner zählen
überwiegend zur Mittelschicht. Es sind einerseits Leute, die „es
geschafft haben“. Geschafft „etwas Eigenes“ zu erwerben, weitgehend
unabhängig und - meist stadtnah - im Grünen zu wohnen. Andererseits sind es aber auch
die, bei denen es zur pompösen Villa oder dem kleinen Schlösschen nicht
gereicht hat. Und sonst? Da lässt sich mehr Überraschendes finden, als
die Vorurteile vermuten lassen.
Zwei Fotografen und eine Journalistin wurden beauftragt, Reihenhäuser
und ihr Innenleben zu erkunden und abzulichten. Daraus ist ein
aufschlussreicher, durchaus spannender Bildband entstanden und eine
Ausstellung, die vom 9. Januar bis 1. März 2009 im Kölner Museum für
angewandte Kunst zu sehen ist.
Die Objekte von Buch und Ausstellung sind Bewohner von Reihenhäusern und
die Gestaltung ihrer Lebensräume. Wobei letzteres viel über die
Motivation zur Wahl dieser Wohnform aussagt. Und da zeigt sich eine
bemerkenswerte Vielfalt. Auch wenn vor allem junge Familien, die
besonderen Wert auf eine intakte Nachbarschaft legen, das
Reihenhausleben suchen und genießen, so ist die Palette der Bewohner
doch viel breiter. Da ist der alleinstehende Akademiker, der die
Unabhängigkeit dieser Wohnform schätzt, etwa das Fehlen von Vorgaben wie
das Treppenputzen, ebenso wie das Rentnerpaar, das sich endlich ein
Eigenheim mit Garten gegönnt hat. Da findet sich der
Drei-Generationenhaushalt, wo man sehr eng zusammenrückt, ebenso wie das
großzügig durchstilisierte Einrichtungsambiente eines doppelverdienenden
Ehepaares oder der eher locker zusammengewürfelte Wohnstil einer
Studentengemeinschaft.
Soweit
die durchaus gute Botschaft über das reichhaltige Leben hinter
den jeweils eigenen vier Reihenhauswänden. Allerdings: Da das Buch von
einer Reihenhaus-Baugesellschaft in Auftrag gegeben wurde und diese auch
die Ausstellung sponsert, werden nur Innenansichten aus Bauten eben
dieses Unternehmens gezeigt. Das erfolgt zwar erfreulich unaufdringlich
und ohne lästige Werbung, bietet aber auch kaum einen Ausblick auf die
aktuelle Planung und Architektur von Reihenhäusern
im Allgemeinen. Und gerade hier lag und liegt immer noch einiges im
Argen, indem beispielsweise an phantasiereichen Architekten gespart
wird. Aber das ist ein anderes Thema, und dem widmen sich diese – auch
ohne diesen Aspekt – durchaus sehenswerten Momentaufnahmen deutschen
Alltagslebens nicht.
9. Januar bis 1. März 2009, Museum für angewandte Kunst, Köln
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