Das und jenes

 -  und was sonst

noch zum

alltäglichen Wahnsinn

gesagt werden muss

 

 

Cave: BLOGspott

ist kein Blog!

 

Im Gegenteil:

Kommentare nur

per E-Mail

 

 

Startseite

 

Impressum

     

Glanz und Faszination des Silbers

 

- und seine Risiken in der Nanotechnologie

 

Christa Tamara Kaul | 28.03.2010

 

Kühler Glanz und zurückhaltende Pracht: Silber fasziniert seit alters her. Es lässt sich zu wunderbarem Schmuck verarbeiten oder zu edlen Schalen, Pokalen oder Bestecken, die einen Tisch zur prunkvollen Tafel erheben. Doch den größten Reiz und mittlerweile auch Gewinn erbringt das Metall seit einiger Zeit vor allem dann, wenn es besonders klein daherkommt: In der Nanotechnologie haben die silbrigen Minipartikel einen wahren Siegeszug in vielen Produkten rund um die Welt angetreten. Nicht ohne Nebenwirkungen, wie der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) auf seiner Internetseite und in einer Broschüre darlegt.

 

Die Nanotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Die geringe Größe der Nanopartikel (1 Nano = 1 Millionstel Millimeter) verleiht ihnen besondere Eigenschaften. Sie können viele Produkte mit völlig neuen Merkmalen und Qualitäten ausstatten und damit deren Gebrauchswert deutlich erweitern. Daher werden Nanopartikel heute schon in vielen Bereichen eingesetzt – wie etwa in Lebensmitteln, Verpackungen, Textilien, Düngemitteln, Autozubehör oder Kosmetika. Und die Erwartungen an weitere Entwicklungen in der Zukunft sind hoch.

 

Doch bei aller Wertschätzung gibt es längst auch warnende Stimmen, die vor noch unbekannten Risiken warnen. Denn die Nanotechnologie ist eine noch junge Wissenschaft, der eben aufgrund ihrer kurzen Wirkzeit auf den allermeisten Gebieten langfristige Erfahrungen und dementsprechend aussagekräftige Studien fehlen. So warnte etwa im Herbst 2009 das Umweltbundesamt (UBA) vor ungeklärten Gesundheitsgefahren, die möglicherweise vergleichbar wären mit den Nebenwirkungen früherer Asbestanwendungen.

 

Zwei von mehreren Bereichen, die ungeklärte Risiken bergen können, sind der Einsatz von Silberpartikeln in Unterwäsche, Socken und Sportbekleidung sowie bei Computertastaturen. Bei der Kleidung sollen die Silberwinzlinge den Körpergeruch bremsen, bei "antibakteriellen" Computertastaturen eventuelle Krankheitsgefahren minimieren. Das Geschäft mit entsprechenden Produkten blüht und wächst munter weiter.

 

Aber was zum großen (nicht nur kommerziellen) Nutzen gereichen soll, kann leicht zur selbst gestellten Falle weit gewichtigerer Gesundheitsgefahren werden. So gelangt beispielsweise das in dünnen Schichten auf Gewebe aufgedampfte Silber durch die Wäsche nach und nach ins Abwasser, von dort ins Grund- und anschließend ins Trinkwasser und so auch auf die Felder und in die Viehställe der Landwirtschaft.

 

"Eine den Körpergeruch hemmende Ausrüstung von Socken und Unterwäsche oder 'antibakterielle' Computertastaturen sind Bespiele dafür, dass hier eine neue Technologie mit einer weit verbreiteten Angst vor Bakterien zusammenkommt. Nano-Euphorie und Sauberkeitswahn sollen gemeinsam den Markterfolg sichern", kritisierte Prof. Wilfried Kühnling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des BUND. Doch Tierversuche verhießen nichts Gutes: Ratten, die Nano-Silberpartikel einatmen oder mit der Nahrung zu sich nehmen, reichern diese in Leber, Nieren und Lunge an, wie Forscher feststellten (Toxicological Sciences, 2009).

 

Es warten etliche Fragen noch auf ihre Antworten: Welche Auswirkungen haben Nanopartikel auf die Umwelt und unsere Gesundheit? Können wir die Nanotechnologie in allen Bereichen ethisch vertreten? Was sagt die Politik und welche Gesetze regeln die Nanotechnologie? Wie werden wir als Verbraucher informiert und geschützt?

 

Und als Quintessenz des aktuellen Standes von Vermarktung einerseits und noch nicht durch die Wissenschaft beantworteter Fragen andererseits ergibt sich, dass es die heutigen Konsumenten von Produkten mit Nanosilberausrüstung sind, die - unfreiwillig - an einem quasi-wissenschaftlichen Großversuch teilnehmen. Immerhin ist das Risikopotential wenigstens erkannt und benannt worden. Die Bundesregierung hat mit der Einsetzung einer Nano-Kommission reagiert. Die Fachleute des UBA beteiligen sich in der Nano-Kommission sowie in weiteren nationalen und internationalen Arbeitskreisen, insbesondere innerhalb der OECD an der Entwicklung von Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien. Für aktuelle Informationen zum Thema steht ein Hintergrundpapier „Nanotechnik für Mensch und Umwelt – Chancen fördern und Risiken mindern“ zur Verfügung, das kostenlos heruntergeladen werden kann.  

 

                                             

© Christa Tamara Kaul