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Her mit dem Stress - oder:
Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker
Christa Tamara Kaul | 05.11.2011
Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker. Wir kennen die Redensart - oft so leicht daher gesagt,
aber sie stimmt. Die Natur
zeigt uns, dass ohne ein gewisses Maß an strapaziösen
Herausforderungen kein gesundes Wachstum möglich ist.
Diese Erkenntnis gilt spätestens seit den 1990er Jahre als bewiesen, als amerikanische
Wissenschaftler zwischen 1987 und 1991 in Arizona ein riesiges
Gebilde aus zusammenhängenden Gewächshäusern errichteten, um die
komplexen Zusammenhänge zwischen den Ökosystemen unserer Erde zu
untersuchen. Sie nannten das Projekt "Bioshäre 2", weil es künstlich
die Bedingungen nachbilden sollte, die wir auf unserer Erde
vorfinden. Um es vorweg zu nehmen: Das Unternehmen scheiterte im
Wesentlichen, brachte jedoch äußerst wertvolle Erkenntnisse über
unsere irdischen Konditionen.
Ein lehrreiches Faktum war das kümmerliche Gedeihen von Bäumen und
Großsträuchern.
Sie wuchsen nicht nur oberirdisch mit dünnen und
schwachen Stämmen und Ästen, sondern blieben auch und vor allem im Wurzelwerk unterentwickelt. Manche
Bäume brachen sogar unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Es
brauchte eine Weile, bis die Wissenschaftler verstanden, dass ihnen
während ihres Wachstums
Wind und Sturm gefehlt hatten. Nur Bäume, die in ihrem Wachstum starken
Winden widerstehen müssen, entwickeln sich zu kräftigen,
widerstandsfähigen Pflanzen. Anders ausgedrückt: Den "Biosphäre
2"-Bäumen hatte der Stress gefehlt. Folgerichtig führten die Wissenschaftler
daraufhin den Begriff "Stressholz" (stress wood)
ein. Nur "gestresstes Holz" wächst zu Organismen heran, die dem
irdischen Leben standhalten können.
Und die Moral von der Geschicht': Auch Menschen gedeihen ohne
ein gesundes Maß an Stress nicht. Es braucht Herausforderungen und
Schwierigkeiten im Leben, um eigene Bewältigungsstrukturen zu
entwickeln oder von anderen zu lernen. Nichts ist verkehrter als
Eltern, die ihre Kinder vor den geringsten Problemen bewahren zu
müssen glauben. Wir müssen (möglichst früh) lernen mit
Schwierigkeiten zurechtkommen, Herausforderungen anzunehmen und
Probleme aktiv anzugehen - und notfalls damit leben zu
können, mal etwas nicht geschafft und erreicht zu haben. Um auch mal
Niederlagen wegstecken zu können, müssen wir unser eigenes
"Stressholz" entwickeln und strukturieren.
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